Erfolg, ein Kind und ein Bier-Bauch

Ent-Wicklungs-Geschichten
Aufgestellt mit Tina Röttgen

 

Heute: Erfolg, ein Kind und ein Bier-Bauch
Einzelcoaching im Frühjahr 2015
mit freundlicher Genehmigung des Klienten

 

Probleme im Job
Mein Klient (nennen wir ihn Christian) möchte seinen Erfolg im Job aufstellen.
Er ist im weitesten Sinne Teamleiter und es fällt ihm schwer, sein Team zu führen. Er fühlt sich schnell überfordert.
Wir stellen also eine Person für Christian und eine für seinen Erfolg auf.

Der „Erfolgs-Stellvertreter“ hat einen großen Abstand zu Christian, das heißt, Erfolg und Christian? Geht gar nicht! Warum? Wir forschen in seiner Aufstellung weiter. Das einzige was sie verbindet, ist ihre sehr ähnliche Figur. Beide haben einen Bauch. Weder groß noch klein, aber sichtbar. Christians Stellvertreter bemerkt das auch. Er beklagt sich über seinen “dicken“ Bauch und fühlt sich unwohl damit. Er versucht seinen Bauch einzuziehen, zieht sein Hemd darüber, dreht sich weg. Er möchte einfach nicht, dass jemand seinen Bauch zu Gesicht bekommt.
Der echte Christian, der seine Aufstellung beobachtet, kennt das. Er hat einen Bauch und fühlt sich nicht wohl damit.
Hat der fehlende Erfolg etwas mit geringem Selbstwertgefühl zu tun? Wir lassen die Stellvertreter weiter spüren und sprechen.

Christians Stellvertreter merkt, dass er den Bauch nicht verstecken kann. Er ist jetzt sehr traurig darüber, dass er einen Bauch hat und ihn verstecken will. Die Traurigkeit blockiert ihn.
Was also tun? Wir wählen einen Stellvertreter und stellen ihn als Ursache für die Traurigkeit auf. Sobald die Ursache für die Traurigkeit steht, zieht sie sehr viel Aufmerksamkeit ab.
Sie fängt z. B. an zu singen und will gesehen werden. Christians Stellvertreter sagt, er könne sich gar nicht mehr konzentrieren, seit dem die Ursache in der Aufstellung sei.
Der reale Christian, der die Aufstellung wie gesagt nur beobachtet, erzählt, dass er Konzentrationsschwierigkeiten gut kennt; es fällt ihm häufig schwer, sich zu konzentrieren und seine Aufmerksamkeit anderen zu schenken. Oft ist er abgelenkt und kann gar nicht genau sagen, wodurch.

 

Zu wem „gehört“ die Ursache?
Wir schauen uns weiter die Aufstellung an. Der Stellvertreter für die Ursache sagt, er hat von sich aus keine Verbindung zu Christian, er würde lieber jemand anderes an seiner Seite haben. Sprich: die Ursache für die Traurigkeit gehört wahrscheinlich zu einem anderen Familienmitglied oder einer anderen Person. Wir überprüfen mit der „trial and errror“-Methode, zu wem die Ursache gehören könnte: ein Familienmitglied nach dem anderen wird in die Aufstellung gestellt.
Als wir eine Person für die Oma väterlicherseits hineinstellen, heftet sich die Person für die „Ursache“ sofort an ihre Fersen. Vorläufige Schlussfolgerung: Christians Traurigkeit hat also ihren Ursprung bei seiner Oma.
Nun steht seine “Oma“ neben der Ursache für die Traurigkeit (die immer noch singt und Aufmerksamkeit benötigt). “Oma“ dreht sich um, steht mit dem Rücken zur Aufstellung und will ebenfalls ihren Bauch verstecken. Ein roter Faden. Wir kommentieren ihre Gesten und vermuten, dass es um eine Schwangerschaft ging. Als „Oma“ hört, Schwangerschaft, Kind etc., dreht sie sich erschrocken um und sagt: „Das darf keiner wissen!“ Ein Kind, das nicht gesehen werden durfte.

 

Ein ungesehenes Kind – zwei Generationen später
Wir stellen eine weitere Person für das ungesehene Kind mit dazu. Christian findet das so spannend, dass er nun selbst in seine Aufstellung möchte.
Es gibt immer die Möglichkeit, von Anfang an in der eigenen Aufstellung teilzunehmen oder jederzeit einzusteigen.
Wir entlassen Christians Stellvertreter und er nimmt seinen Platz in der Aufstellung selbst ein. Sofort wird sichtbar: das Kind und Christian haben eine enge energetische Verbindung, obwohl sie sich real nicht kennen. Christian spürt eine große Traurigkeit darüber, dass dieses Kind nicht gesehen werden durfte. Er hat den dringenden Wunsch, das Kind in die Familie zu integrieren und an seinen eigentlichen Platz zu bringen. Er führt das Kind an der Hand zu seiner Oma. Er weint darüber und stellt fest, dass es ihn enorm erleichtert, das Kind zurückzuführen.

Und jetzt fällt es ihm wie Schuppen von den Augen: er hat das tiefe, immer wieder kehrende Bedürfnis, vor allem in Gruppen, dass alle dazu gehören sollen. Niemand soll sich ausgeschlossen fühlen. Über dieses Bedürfnis vergisst er oft sich selbst. Als Teamleiter ist das nicht gerade von Vorteil. Er trägt einerseits Verantwortung für sein Team, überfordert sich andererseits selbst, wenn er ständig damit beschäftigt ist, alle integrieren zu wollen. Niemand „darf“ sich unwohl oder ausgeschlossen fühlen.

Interessanterweise kommt der „Erfolgsvertreter“ nun in die Puschen: er geht einen kleinen Schritt auf Christian zu, d. h. Christian ist seinem Erfolg schon näher gekommen, indem er dieses Problem erkannt hat.
Er spürt, dass etwas in ihm „ganz“ wird, indem er das Kind zu seiner Oma begleitet. Das Kind spürt, dass es zur Oma gehört.
Seine Oma will das Kind zunächst nicht ansehen. Die anderen Stellvertreter beruhigen die Oma und sagen ihr, dass es in Ordnung sei, sie dürfe ihr Kind bzw. die Schwangerschaft und ihren Bauch allen zeigen. Niemand verurteile sie dafür.
Auch Christian kann ohne Vorwurf zu ihr sprechen. Das Kind gehört einfach an seinen Platz bei seiner Mutter, Christians Oma. Und es war wichtig, dieses Kind zu zeigen und zu sehen. Der Ursachen-Stellvertreter sagt, er fühle sich jetzt irgendwie überflüssig. Das geschieht oft, wenn ein Thema angeschaut wurde. Die Ursache der Traurigkeit konnte zugeordnet werden, Oma durfte das Kind zeigen. Damit hat sich die Traurigkeit über das “erledigt“.
Warum auch immer die Oma das Kind verstecken wollte, spielte in dieser Aufstellung keine große Rolle. Christian hat eine Ahnung, warum es so gewesen sein könnte. Die Umstände haben es damals einfach nicht zugelassen.

 

Eigenverantwortung ganz groß
Ich frage Christian, wie er sich in Bezug auf seinen Erfolg fühlt. Er schaut den Erfolgsvertreter an. Sie stehen sich gegenüber und grinsen sich an. Und fachsimpeln über Diäten und Biersorten. Eigentlich finden sie sich gar nicht so schlimm. „Lieber einen Bauch als kein Bier im Kühlschrank.“
Und in Bezug auf sein Team? Christian kann sich das gerade nicht vorstellen. Vielleicht weil etwas Altes geht und etwas Neues kommt.
Wir stellen das Team in Form von zwei Stellvertretern als vorletzte Amtshandlung dazu. Erfolg, Team und Christian beäugen sich abschätzend. Die zwei aus dem Team zanken ein wenig und diskutieren. „Wer ist hier eigentlich verantwortlich?“
Diese Aussage nutzen wir als Impuls zur letzten Amtshandlung: in Form von Kissen legen wir für jeden Stellvertreter die Eigenverantwortung hinzu. Es kehrt Frieden ein. Christian genießt das Abschlussbild in seiner Aufstellung.

 

Folgen
Später teilt er mir mit, dass bei ihm viel in Bewegung geraten ist. Die letzte Teamsitzung war für ihn aufschlussreich. Sein Integrationsbedürfnis tauchte immer mal wieder auf. Nun konnte er jedoch verstehen, warum. Indem er sich innerlich sagte: „Das ist jetzt vorbei. Ich lasse es bei meiner Oma“, konnte er sich entspannen und seine Aufmerksamkeit der Sitzung widmen.

 

Effektive Einzelaufstellung und Gruppentermine nach telefonischer Terminvereinbarung

Freie Systemische Aufstellungen mit Tina Röttgen, Moderatorin für Systemische Familienaufstellungen und Wingwave Coach

 

Bergisch Gladbach/Refrath

Immanuel-Kant-Straße 1

 

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